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Freie Wohlfahrtspflege

Öffentliche und freie Wohlfahrtspflege im 19. Jahrhundert

Die materielle Unterstützung Bedürftiger ist im 19. Jahrhundert in erster Linie Aufgabe der Städte und Gemeinden. Diese bedienen sich bei der Armenfürsorge vielfach der Hilfe privater Wohltätigkeitsvereine.

Darüber hinaus kümmern sich die Wohltätigkeitsvereine um besondere soziale Notlagen und entwickeln eigene Hilfsangebote. Ende des 19. Jahrhunderts schließen sich die vielen privaten Initiativen zu mehreren, weltanschaulich geprägten und reichsweit tätigen Wohlfahrtsverbänden zusammen.

Neue Herausforderungen im Ersten Weltkrieg

Die Wohlfahrtsverbände sehen sich durch den Ersten Weltkrieg vor neue Herausforderungen gestellt. Auch viele Menschen aus dem Mittelstand geraten in Not und sind auf Fürsorge angewiesen. Während die staatliche Hilfe das Existenzminimum sichert, kümmern die Wohlfahrtsverbände sich darum, dass die Menschen, die kriegsbedingt Unterstützung benötigen, ihren Lebensstandard halten können.

In vielen Städten werden Koordinierungsstellen eingerichtet, um das ungeordnete Nebeneinander von freier und öffentlicher Wohlfahrt zu beenden.

Staatliche Anerkennung

In der Weimarer Republik erleben die Wohlfahrtsverbände eine Hochzeit. Das Reichsarbeitsministerium hat einen großen Anteil an der Aufwertung der freien Wohlfahrtspflege, die in der Bildung eines eigenen Dachverbandes mündet, der 1924 gegründeten „Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege“. Die Fürsorgegesetze von 1922 und 1924 schreiben erstmals die Kooperation zwischen freier und öffentlicher Wohlfahrtspflege fest.

1926 werden die Spitzenverbände staatlich anerkannt. Nun erhalten nicht mehr die einzelnen Einrichtungen individuelle finanzielle Unterstützung vom Staat; stattdessen fließen die Zuschüsse an die Spitzenverbände, die sie eigenverantwortlich verteilen. Bis heute gilt die Eigenständigkeit der freien Verbände und die übergeordnete Verantwortung und Förderungspflicht der öffentlichen Wohlfahrtsträger.

„Gleichschaltung“, Zerstörung und Wiederaufbau

Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten wird die „National-sozialistische Volkswohlfahrt“ (NSV) gegründet. Die Liga wird umbenannt in „Reichsarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege“. Die führende Rolle übernimmt die NSV.

Die Arbeiterwohlfahrt und die christliche Arbeiterhilfe werden aufgelöst. Der „Zentralwohlfahrtsstelle der Juden“ wird der Status eines Spitzenverbandes abgesprochen, 1939 wird sie aufgelöst. Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband geht in der NSV auf, alle anderen Verbände werden „gleichgeschaltet“ oder in ihrer Arbeit stark eingeschränkt. Die Unterstützungsleistungen der NSV erfolgen nach rassistischen Kriterien.

Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 verbieten die Siegermächte alle NS-Organisationen und damit auch die NSV. Die bereits in der Weimarer Zeit tätigen Verbände können wieder ungestört arbeiten.

Sozialstaatprinzip heute

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ist das Prinzip des Sozialstaats verankert. Das bedeutet, der Staat hat die Verantwortung übernommen, dem einzelnen zu helfen und benachteiligte Gruppen zu unterstützen, um soziale Gerechtigkeit zu erreichen. Die Wohlfahrtsverbände sind an der Verwirklichung dieses Ziels beteiligt. Die Zusammenarbeit von Trägern der freien und öffentlichen Wohlfahrtspflege ist im Sozialgesetzbuch geregelt.

Heute gehören die freien Wohlfahrtsverbände zu den größten Arbeitgebern in Deutschland und Organisatoren ehrenamtlichen Engagements. Sie arbeiten in der „Bundesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege“ zusammen und sind in allen Bereichen der Wohlfahrt tätig: von der Säuglings- bis zur Altenpflege, von der Prävention bis zur Versorgung, ob Bildung oder Seelsorge – ohne die freie Wohlfahrt wäre kein Staat zu machen.

- Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege
- Infoblatt Sozialgeschichte "Ehrenamt und Wohlfahrtspflege Früher und Heute" bestellen oder herunterladen

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