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Zu- und Auswanderung

Bereits seit dem Mittelalter entscheiden sich Menschen, ihre Heimat zu verlassen, um an anderen Orten ein neues Leben zu beginnen. So führte zum Beispiel die Ostsiedlung vom 9. bis zum 14. Jahrhundert zu einer Ausdehnung des deutschen Sprachraums östlich von Saale und Elbe.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg sind in Süddeutschland ganze Landstriche entvölkert. Schweizer Einwanderer finden hier ein neues Zuhause. Höhepunkt der deutschen Auswanderung ist die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zwischen 1820 und 1914 wandern mehr als drei Millionen Deutsche aus. Das bevorzugte Ziel der Auswanderer ist Nordamerika. Hier versprechen sie sich nicht nur politische und religiöse Freiheit, sondern auch wirtschaftliche Aufstiegschancen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts sind die Beweggründe der Auswanderer hauptsächlich wirtschaftlicher Natur. Missernten und der Umbruch von der Agrar- zur Industriegesellschaft erschweren die Lebensbedingungen für viele und erleichtern die Entscheidung, auszuwandern.

Auswanderung nach Übersee
Zeitraum Zahl der Auswanderer
1820-1830 28.000
1831-1840 172.300
1841-1850 469.300
1851-1860 1.074.900
1861-1870 832.600
1871-1880 625.900
1880-1890 1.342.400
1890-1910 279.600


Der häufigste Grund auszuwandern, ist aber die politische Situation. Besonders hoch sind die Zahlen nach der gescheiterten Revolution von 1848. Allein 1853 kehren 200.000 Menschen ihrer Heimat den Rücken zu. Auch das "Sozialistengesetz", welches von 1878 bis 1890 die Sozialdemokratie unterdrückt, führt zu verstärkter Auswanderung.

Nach der Jahrhundertwende nimmt die Zahl der Auswanderer stark ab, vor allem da in der inzwischen gefestigten Industriegesellschaft ausreichend Arbeitsplätze vorhanden sind und die Lebensbedingungen sich, auch durch die Sozialgesetzgebung, verbessern.

Nach der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler und dem Beginn der Diktatur des Nationalsozialismus 1933 nimmt die Zahl der politischen Emigranten wieder zu. Viele Deutsche jüdischen Glaubens fliehen, sofern sie können, bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor den Repressionen des NS-Regimes. Die sogenannte Reichsfluchtsteuer erschwert die Ausreise. So muss der Ausreisewillige ein Viertel seines Vermögens zahlen, sofern dieses 50.000 Reichsmark übersteigt.

Aus den deutschen Gebieten östlich von Oder und Neiße fliehen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als 10 Millionen Menschen vor der Roten Armee. Nach Kriegsende werden viele Deutsche aus den nun polnischen oder von der Sowjetunion besetzten Gebieten sowie dem Sudetenland vertrieben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Zuwanderung eine größere Bedeutung als die Auswanderung. Mitte der 1950er Jahre herrscht ein Mangel an Arbeitskräften, dem die Bundesregierung mit der Anwerbung von Arbeitern, vorwiegend aus Südeuropa, begegnet. Bis 1964 steigt die Zahl der sogenannten "Gastarbeiter" auf eine Million. Viele von ihnen werden sesshaft in Deutschland und holen ihre Familien in die neue Heimat. 1973 leben rund 4 Millionen Ausländer in der Bundesrepublik.

Aus der DDR fliehen bis 1989 17 Millionen Menschen in die Bundesrepublik, die überwiegende Zahl vor der Abriegelung der Grenzen und dem Bau der Berliner Mauer 1961. Bei Fluchtversuchen kommen zwischen 1961 und 1989 mehr als 100 Menschen ums Leben.

Die Abwanderung führt in der DDR zu einem Arbeitskräftemangel, so dass das SED-Regime ebenfalls Arbeitskräfte im Ausland anwirbt. Diese kommen überwiegend aus Vietnam, aber auch aus Polen, Kuba oder Angola, und leben isoliert vom Rest der Bevölkerung.

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gewährt politisch Verfolgten ein Grundrecht auf Asyl. Die Zahl der Asylanträge ist allerdings seit der Einschränkung des Asylrechts von 1992, welche eine Einreise über Drittländer ausschließt, rückläufig.

Die Europäische Union gewährt ihren Bürgern in allen Mitgliedsstaaten das Recht auf die freie Wahl des Wohnorts. Dies erleichtert EU-Bürgern, in Deutschland zu leben und Deutschen das Leben in den anderen EU-Mitgliedsstaaten.

- Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
- Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration
- Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen

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