Direkt zum Inhalt | Zur Hauptnavigation | Zur Seitennavigation | Zur Dokumentenliste



Drucken | Kommentieren | Lesezeichen setzen


Herausforderungen des Sozialstaats

Der Sozialstaat Bundesrepublik Deutschland befindet sich im Wandel. Durch den Fortschritt in der medizinischen Versorgung und die verbesserten Lebensbedingungen steigt die Lebenserwartung an. Gleichzeitig geht die Zahl der Geburten zurück. Für die Rentenversicherung bedeutet dies, dass der Anteil der Rentner an der Gesamtbevölkerung zunimmt, während die Zahl der Beitragszahler zurückgeht.

Die beschriebenen demographischen Entwicklungen haben auch Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. Ältere Menschen werden häufiger krank, auch steigt die Zahl derer, die Pflege benötigen. Außerdem sind neue Geräte und Behandlungsmethoden in der Regel teurer als etablierte Heilverfahren, auch dies führt zu einem Anstieg der Kosten. Die Pflegeversicherung, welche 1995 als jüngster Zweig der Sozialversicherung eingeführt wird, ergänzt die Krankenversicherung, sie ist aber ebenfalls von steigenden Kosten betroffen.

Durch einen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft ist seit Ende der 1970er Jahre außerdem die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland jährlich angestiegen. Zwar hat sich diese Entwicklung in den Jahren nach 2005 verlangsamt, eine Umkehr dieser Entwicklung ist allerdings nicht zu erkennen. Die strukturelle Arbeitslosigkeit zu senken, ist eine der größten sozialpolitischen Herausforderungen.

Lebenserwartung (in Jahren)
Frauen Männer
1871 38 35
1910 48 45
1926 59 56
1950 68 65
1985 78 71
2003 81 75
2009 82 77


Um den Sozialstaat auch für die Zukunft zu erhalten und die Finanzierbarkeit der Sozialversicherungssysteme zu gewährleisten, sind in allen Bereichen Reformen erforderlich. Die Bundesregierungen der letzten Jahre haben diese in Angriff genommen.

Die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder beschließt von 2002 bis 2005 weitreichende Reformen des Arbeitsmarkts. Die Vermittlung von Arbeitssuchenden wird nach dem Grundsatz "Fördern und Fordern" umgestaltet und flexibilisiert. Auf dem Gebiet der Krankenversicherungen werden zum Beispiel Leistungen eingeschränkt und Versicherte müssen Kosten in größerem Maße selbst tragen. Diese und andere Reformen des Programms "Agenda 2010" sind gesellschaftlich nicht unumstritten, vor allem die Gewerkschaften wehren sich gegen den Abbau von Sozialleistungen.

Die Regierung Schröder beschließt als Ergänzung zur gesetzlichen Rente 2001 die staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge als Ergänzung zur gesetzlichen Rente. Ein weiterer Schritt zur Entlastung der Rentenkasse ist die gestaffelte Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre (von 2012 bis 2029) durch die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD.

Die Große Koalition unter Angela Merkel führt im Bereich der Familienpolitik das Elterngeld ein, um Deutschland kinderfreundlicher zu machen. Damit erhalten Familien in den ersten zwölf bzw. 14 Lebensmonaten eines Kindes seit 2007 eine Unterstützung, die sich am Nettoeinkommen des betreuenden Elternteils orientiert. Nichterwerbstätige erhalten generell den Mindestbetrag. Die Betreuungsangebote für Kinder in Form von Kindertagesstätten oder Ganztagsschulen werden ausgebaut.

Mit der 2010 angestoßenen Jobcenter-Reform zielt die Koalition von CDU/CSU und FDP darauf ab, die Kompetenzen und Potenziale von Langzeitarbeitslosen stärker zu aktivieren. Dazu sollen die Qualität der Vermittlung verbessert und weitere Beratungsangebote zusammengeführt werden (z.B. zur sozialpädagogischen Begleitung, Kinderbetreuung oder die Schuldnerberatung)

- Zum Dokument Demografischer Wandel im Audiorundgang durch die Dauerausstellung
- Informationen zur Rente mit 67 auf der Website des BMAS
- Informationen für Schüler und Lehrer zum Thema Soziale Gerechtigkeit
- Publikationsverzeichnis des BMAS
- Gesetzesverzeichnis auf der Website des BMAS
- Der demografische Wandel (Gebärdenfilm zur Ausstellung in Berlin)

Meine Kommentare

Kommentieren

Zum Seitenanfang

Dokumentenliste

Alle Dokumente anzeigen

Geborene Kinder pro Frau. Die Zahlen beziehen sich von 1949 bis 1990 auf die alten Bundesländer, nach 1990 auf die wiedervereinigte Bundesrepublik
Deutschland.
Quelle: Statistisches Bundesamt

Senioren und Kinder beim gemeinsamen Spielen in einem Mehrgenerationenhaus, 2006. Senioren und Kinder beim gemeinsamen Spielen in einem Mehrgenerationenhaus, 2006.
© BMFSFJ

Seniorin mit Computer, 2008. Seniorin mit Computer, 2008.
© ullstein bild / Sylent Press