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Kinderarbeit

Laut UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, arbeiten weltweit mehr als 150 Millionen Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren, vor allem in Entwicklungsländern. Meist müssen Kinder arbeiten, um den Lebensunterhalt ihrer Familien sicherzustellen. In Deutschland und in der gesamten Europäischen Union ist Kinderarbeit verboten. Kinder unter 15 Jahren oder Jugendliche, die noch schulpflichtig sind, dürfen mit wenigen Ausnahmen nicht als Arbeitskräfte beschäftigt werden. Das Jugendarbeitsschutzgesetz von 1976 regelt sowohl die Ausnahmen als auch die Arbeitsbedingungen, wie zum Beispiel die Arbeitszeit.

Kinderarbeit gibt es schon seit der Antike, doch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert verändert ihre Bedeutung. Da für Fabrikarbeit an Maschinen keine Ausbildung erforderlich ist, werden auch Kinder eingestellt. Sie erhalten weniger Lohn als Erwachsene und arbeiten bis zu 14 Stunden pro Tag. Manche Aufgaben im Bergbau können sogar nur von Kindern ausgeführt werden, da Erwachsene zu groß sind.

Das erste Gesetz, das in Deutschland der Kinderarbeit Grenzen setzt, ist das "Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Fabriken", bekannt als "Preußisches Regulativ" von 1832. Grund für die Einschränkungen sind Gesundheitsschäden, die immer mehr Wehrpflichtige des Preußischen Militärs wehruntauglich machen. Das Regulativ verbietet die Bergbau- und Fabrikarbeit für Kinder unter neun Jahren und alle unter 16, die nicht wenigstens drei Jahre lang eine Schule besucht haben. Die Höchstarbeitszeit für Jugendliche beträgt zehn Stunden. Da kaum Kontrollen durchgeführt werden, hat das Regulativ keine große Auswirkung. Dennoch ist es als erstes Gesetz zum Arbeitsschutz ein wichtiger sozialpolitischer Durchbruch.

1853 werden Fabrikinspektionen eingeführt, diese Prüfung der Arbeitsbedingungen wird jedoch erst 1878 verpflichtend. Das Mindestalter für Fabrikarbeit wird schrittweise angehoben. 1891 verbietet die Reichsgewerbeordnung Fabrikarbeit von Kindern unter 13 Jahren und Nachtarbeit für Jugendliche grundsätzlich.

Das Kinderschutzgesetz von 1903 ist das erste Reichsgesetz zur Regelung der Kinderarbeit. Es führt verschiedene Altersgrenzen für die Beschäftigung von Kindern in verschiedenen Branchen ein. Auch Kinder, die in Familienbetrieben arbeiten, werden geschützt, für sie gelten aber weniger strenge Bestimmungen. 1938 tritt an die Stelle des Kinderschutzgesetzes das Jugendschutzgesetz, das alle Vorschriften über die Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen zusammenfasst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schafft Niedersachsen 1948 als erstes Bundesland ein eigenes Arbeitsschutzgesetz für Jugendliche. Das Gesetz gilt auch für Bereiche, die in früheren Gesetzen ausgenommen waren, wie zum Beispiel die Haus- und Landwirtschaft.

Nach dem Vorbild des niedersächsischen Gesetzes wird 1960 das Jugendarbeitsschutzgesetz für die gesamte Bundesrepublik eingeführt. Anstrengende körperliche Arbeit sowie die Akkord- und Fließbandarbeit sind nun grundsätzlich verboten. Die Neuregelung des Jugendarbeitsschutzes im Jahre 1976 begrenzt die wöchentliche Höchstarbeitszeit auf 40 Stunden. Die Urlaubsdauer wird heraufgesetzt und je nach Alter von 25 bis zu 30 Werktagen im Jahr gestaffelt.

1997 passt der Gesetzgeber das Jugendarbeitsschutzgesetz den Vorgaben der Europäischen Union über den Jugendarbeitsschutz (1994) an. So wird das grundsätzliche Verbot von Kinderarbeit auf Personen bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres ausgedehnt; es gilt auch für Jugendliche, die nach den Schulgesetzen der Länder noch der Vollzeitschulpflicht unterliegen. Wer über 15 Jahre alt ist, aber noch der Vollzeitschulpflicht unterliegt, darf während der Schulferien für höchstens vier Wochen im Jahr beschäftigt werden.

Seit 1. Juli 1998 gilt eine besondere Kinderschutzverordnung, die die Beschäftigung von Kindern über 13 Jahren und schulpflichtigen Jugendlichen mit den üblichen gesellschaftlich anerkannten Tätigkeiten – z. B. Zeitungen austragen, Handreichungen beim Sport – regelt. In der gewerblichen Wirtschaft, in der Produktion und im Handel darf diese Altersgruppe nicht beschäftigt werden.

- Zum Dokument Kinderarbeit im Audiorundgang durch die Dauerausstellung
- Broschüre: Klare Sache - Jugendarbeitsschutz und Kinderarbeitsschutzverordnung (zum Bestellen und als Download)
- Thema Kinderarbeit auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
- Informationen zum Thema Kinderschutz auf der Website von UNICEF
- Publikationsverzeichnis des BMAS
- Gesetzesverzeichnis auf der Website des BMAS
- Infoblatt Sozialgeschichte: "Kindheit und Jugend im 19. und 20. Jahrhundert" bestellen oder herunterladen
- Kinderarbeit (Gebärdenfilm zur Ausstellung in Berlin)

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Der Seidenwirker. Radierung von Johann Wilhelm Meil, 1760. Der Seidenwirker. Radierung von Johann Wilhelm Meil, 1760.
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Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Fabriken, 1839

Plakat des Vereins zum Schutz der Kinder vor Ausnutzung und Misshandlung, Entwurf von Else Schütze-Schur, um 1910.
© bpk