Direkt zum Inhalt | Zur Hauptnavigation | Zur Seitennavigation | Zur Dokumentenliste



Drucken | Kommentieren | Lesezeichen setzen


Die Arbeiterbewegung entsteht (1830-1918)

Durch die Industrialisierung entwickelt sich mit der Arbeiterschaft eine neue, stark wachsende Bevölkerungsgruppe. Um ihre Interessen zu vertreten, schließen sich Arbeiter zusammen. Anfangs geschieht dies mit Unterstützung politisch engagierter Bürger.

1834 gründen deutsche Handwerker in Paris den "Bund der Geächteten", der schon früh sozialistisches Gedankengut vertritt. Aus ihm entstehen der "Bund der Gerechten" und schließlich, unter Einfluss der Mitglieder Karl Marx und Friedrich Engels, der "Bund der Kommunisten". Marx und Engels verfassen gemeinsam das Manifest der Kommunistischen Partei, welches im Februar 1848 veröffentlicht wird. Die Kommunisten können allerdings keinen Einfluss auf die Bürgerliche Revolution von 1848 nehmen. Ihr Anspruch ist ohnehin international – das Programm fordert nicht weniger als den Zusammenschluss der Arbeiter aller Länder.

In der Frankfurter Nationalversammlung sind keine Arbeiter vertreten, die Revolution ermutigt die Arbeitervereine jedoch, öffentlich in Erscheinung zu treten. Der Schriftsetzer Stephan Born organisiert im September 1848 einen Allgemeinen Deutschen Arbeiterkongress. Dieser gründet die Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung, in welcher sich mehr als 150 Arbeitervereine aus ganz Deutschland zusammenschließen. Sie stellen ein gemeinsames Programm politischer Forderungen auf.

1854 beschließt der Bundestag, die Versammlung der Fürsten im Deutschen Bund, ein Verbot aller Arbeitervereine, die politische Ziele verfolgen. Konfessionelle Vereine wie zum Beispiel die katholischen Gesellenvereine bleiben bestehen. Unabhängig von dieser gesetzlichen Repression nutzen Arbeiter weiterhin den Streik, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen.

Streiks in Deutschland 1864-1880
Berufsgruppe Streiks Teilnehmerzahl
Bau, Maurer, Zimmerer 185 26.564
Bergbau- und Hüttenarbeiter 52 54.830
Buchbinder, Drucker, Setzer 41 6.128
Maschinen- und Metallarbeiter 86 22.576
Nahrungs- und Genussmittel 31 1.360
Schneider 53 2.948
Schuhmacher 85 9.840
Tabakarbeiter 80 11.609
Textilindustrie 131 23.274
Tischler, Schreiner 76 10.628


Unter der Führung Ferdinand Lassalles gründen am 23. Mai 1863 zwölf Vertreter von Arbeitervereinen aus ganz Deutschland in Leipzig den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV). Wilhelm Liebknecht und August Bebel gründen 1869 in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP). Diese beiden Parteien, die zunächst miteinander konkurrieren, schließen sich 1875 zur Sozialistischen Arbeiterpartei zusammen. Aus dieser geht schließlich die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) hervor.

Die Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes von 1869 gewährt die Koalitionsfreiheit. Neben den sozialdemokratisch geprägten Gewerkschaften entstehen die liberal gesinnten Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereine.

Das Deutsche Reich wird 1871 als konstitutionelle Monarchie gegründet. Das Drei-Klassen-Wahlrecht, bei dem die Wähler ein nach ihrer Steuerleistung abgestuftes Stimmengewicht besitzen, benachteiligt die Arbeiter. Trotzdem sind die Arbeiterparteien von Anfang an im Reichstag vertreten.

Reichskanzler Otto von Bismarck sieht in der Sozialdemokratie eine Gefahr für die Monarchie. Nach zwei Attentaten auf Kaiser Wilhelm I. findet 1878 das "Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" eine Mehrheit im Reichstag. Das sogenannte "Sozialistengesetz" macht allen sozialdemokratischen Parteien und Vereine die Arbeit nahezu unmöglich. Ihnen werden Versammlungen und Veröffentlichungen untersagt. Viele Sozialdemokraten werden zu Haftstrafen verurteilt, andere fliehen ins Exil. Das Gesetz wird mehrmals vom Parlament verlängert, bis es schließlich 1890 nicht mehr die erforderliche Mehrheit erhält.

Trotz der Repression des "Sozialistengesetzes" kann die Sozialistische Arbeiterpartei (die spätere SPD) im Verlauf der 1880er Jahre immer mehr Sitze im Reichstag erringen. Die Sozialgesetzgebung als positiver Ansatz zur Lösung der "Sozialen Frage" ist langfristig gesehen erfolgreicher für das Bestreben Bismarcks, die Arbeiter für den Staat zu gewinnen.

Nach dem Ende des "Sozialistengesetzes" formiert sich 1892 der erste Gewerkschaftskongress. Papst Leo XIII. beschäftigt sich in der Enzyklika "Rerum novarum" mit der sozialen Frage. Er wendet sich sowohl gegen den Kommunismus als auch gegen den extremen Kapitalismus. Ab 1894 entstehen Christliche Gewerkschaften.

Um sich von den liberal gesinnten Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereinen und den Christlichen Gewerkschaften abzugrenzen, nennen sich die sozialistisch orientierten Verbände "Freie Gewerkschaften".

Entwicklung der Mitgliederzahlen von Gewerkschaften
Freie Gewerkschaften Christliche Gewerkschaften Hirsch-Duncker'sche Gewerkvereine
1869 47.192 - 30.000
1900 680.427 76.744 91.661
1910 2.017.298 316.115 122.571
1919 5.228.150 1.000.770 189.831


Die Gewerkschaften setzen sich nicht nur in Tarifverhandlungen und Arbeitskämpfen für ihre Mitglieder ein, sondern auch durch soziale Vorsorge. So finanzieren die Beiträge der Mitglieder nicht nur die Streikunterstützung, sondern oftmals zum Beispiel auch eine Unterstützung für Erwerbslose.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 gewinnen die Gewerkschaften an Einfluss und erhalten gesellschaftliche Verantwortung. Dies geschieht, da sie zur Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft benötigt werden. Das Hilfsdienstgesetz schränkt die freie Wahl des Berufes ein, da alle erwerbsfähigen Männer zur Arbeit in der Rüstungsindustrie herangezogen werden dürfen. Ein Wechsel des Arbeitsplatzes muss von Schlichtungsausschüssen genehmigt werden. Diese sind allerdings paritätisch besetzt, also auch mit Gewerkschaftsvertretern. Die Einrichtung von Arbeiter- und Angestelltenausschüssen (Vorläufer der heutigen Betriebsräte) in Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten wird obligatorisch.

Nach Kriegsende und Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918 werden langjährige Forderungen der Gewerkschaften verwirklicht. So wird in der Weimarer Republik der Acht-Stunden-Tag eingeführt und eine gesetzliche Arbeitslosenversicherung eingeführt.

- Fragebögen und Lösungsheft "In die Zukunft gedacht" bestellen
- Unterrichtseinheit mit Arbeitsblättern bei Lehrer-Online
- Arbeiterbewegung (Gebärdenfilm zur Ausstellung in Berlin)
- Sozialistengesetz (Gebärdenfilm zur Ausstellung in Berlin)
- Arbeitsrecht und Mitbestimmung (Gebärdenfilm zur Ausstellung in Berlin)

Unterrichtsmaterialien

- Fragebogen 2, Industrielle Revolution und Arbeiterbewegung PDF, 892,43 kB

Meine Kommentare

Kommentieren

Zum Seitenanfang

Dokumentenliste

Alle Dokumente anzeigen

Zeitgenössische Darstellung politischer Aufklärungsarbeit. Der Agitator. Holzstich, 1877.
© AKG-Images

Zeichnung von Johann Bahr, 1889. Zeichnung von Johann Bahr, 1889.
© AKG-Images

Holzschnitt, Walter Crane, um 1890. Holzschnitt, Walter Crane, um 1890.
© AKG-Images