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Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg (1933-1945)

Die Nationalsozialisten besetzen 1933 zielstrebig die Schaltstellen der Macht. In einer Mischung aus Terror, Propaganda und Notverordnungen schalten sie politische Gegner aus; die deutsche Gesellschaft wird "gleichgeschaltet". Mit der Vereinigung der Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers in der Person Adolf Hitlers am 2. August 1934 ist die letzte Stufe der "Machtergreifung" erreicht: Deutschland wird von einer totalitären Diktatur beherrscht.

Die Zerschlagung der Arbeiterbewegung ist für Hitler das erste innenpolitische Ziel. Die "Verordnung zum Schutz von Volk und Staat" vom 28. Februar 1933 schafft einen permanenten Ausnahmezustand und setzt elementare Grundrechte außer Kraft. Kommunisten und Sozialdemokraten werden verhaftet, die Presse der Arbeiterparteien wird willkürlich unterdrückt. Eingeschüchtert von der SA (Abkürzung für Sturmabteilung, paramilitärische Kampforganisation der NSDAP), stimmt der Reichstag mit Ausnahme der SPD am 23. März 1933 dem Ermächtigungsgesetz zu und verzichtet damit auf seine Kontrollrechte gegenüber der Regierung.

Die Gewerkschaften schwanken zwischen der Ausrufung eines Generalstreiks und der Anpassung an die politischen Verhältnisse. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund erklärt sich gegen­über Hitler für neutral. Trotzdem besetzen am 2. Mai 1933 SA-Trupps die Gewerkschaftshäuser und verhaften die Funktionäre. Die Gewerkschaften werden aufgelöst, die Parteien folgen kurz darauf. Dies ist das Ende der ersten deutschen Demokratie.

Am 6. Mai 1933 wird die Deutsche Arbeitsfront (DAF) gegründet, die die Gewerkschaften ersetzen soll. Nach dem Führerprinzip organisiert, fasst sie die Arbeiter und Angestellten in den Betrieben zentral zusammen. Ihre Hauptaufgabe ist die betriebliche Sozialpolitik. Unter dem Schlagwort "Schönheit der Arbeit" sorgt sie für Belüftung und Beleuchtung der Arbeitsplätze, baut Werkswohnungen, Sportplätze und Kantinen und setzt sich für die Verbesserung des Mutterschutzes ein. Zugleich wird der Urlaub von drei auf sechs Tage im Jahr verlängert. Mit diesen Maßnahmen soll die DAF die Arbeiter in den nationalsozialistischen Staat integrieren und ihren bisherigen Organisationen den Boden entziehen.

Trotz ihrer Größe sind die Kompetenzen der DAF bescheiden. Die Regelung der Löhne wird den per Gesetz vom 19. Mai 1933 geschaffenen "Treuhändern der Arbeit" übertragen. Sie erhalten diktatorische Vollmachten zur Regelung von Lohn- und Arbeitsfragen, das alte Schlichtungswesen wird abgeschafft. Die Treuhänder setzen die Löhne in den Betrieben fest, Tarifverhandlungen gibt es nicht mehr, die Tarifhoheit von Arbeitnehmern und Arbeitgebern wird aufgehoben.

Die Sozialpolitik wird dem Leitbild der "Volksgemeinschaft" unterworfen. Das "Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit" vom 20. Januar 1934 verbietet das Koalitions- und Streikrecht und schafft die Betriebsverfassung ab. Der Betriebsrat wird durch den "Vertrauensrat" ersetzt, ein lediglich beratendes Organ der Betriebsleitung. Im Juli 1934 endet die Selbstverwaltung der Sozialversicherungen. Gleichzeitig wird die Sozialversicherung finanziell saniert. Überschüsse fließen der Rüstung zu, sozialpolitische Fortschritte dienen der Beruhigung der Arbeiter. Im September 1936 wird das Kindergeld eingeführt. Im Dezember 1937 erhalten nichtversicherungspflichtige Deutsche unter 40 Jahren das Recht zum Eintritt in die Rentenversicherung. 1941 werden die Rentner in der Krankenversicherung pflichtversichert.

Die Frauenpolitik der Nationalsozialisten ist rückwärtsgewandt. Die nationalsozialistische Ideologie weist der Frau allein die Rolle der Gehilfin des Mannes und der Mutter zu. Mit Ehestandsdarlehen drängt der Staat die Frauen aus den Berufen und erschwert ihnen den Zugang zum Universitätsstudium. Im Zweiten Weltkrieg haben Frauen in erster Linie die Funktion, mit Söhnen die Kriegsverluste zu ersetzen. Dem dient die Verbesserung des Mutterschutzgesetzes vom 17. Mai 1942, das vor und nach der Entbindung der Mutter den vollen Lohnausgleich garantiert.

Auch in der Gesundheitspolitik setzen die Nationalsozialisten ihre Rassen- und Bevölkerungspolitik und ihre Kriegsziele durch. Das Kassenarztrecht wird nach dem "Führerprinzip" umgestaltet und in einem Ärztegesetz (Reichsärzteordnung) vom 13. Dezember 1935 neu zusammengefasst. Die Ärzte werden Zwangsmitglieder der Reichsärztekammer. "Nichtarischen", "sozialistischen" und sonstwie angeblich "staatsfeindlichen" Ärzten werden die Kassenzulassungen entzogen.

Auch in der Krankenversicherung wird die Selbstverwaltung abgeschafft, die Krankenversicherungen werden auf das "Führerprinzip" ausgerichtet. Die Pflichtversicherung wird ausgeweitet auf Gruppen von Selbstständigen, Hebammen, Kriegshinterbliebene sowie seit 1941 die Rentner. Leistungsverbesserungen wie die Ausdehnung der Krankenpflege und des Wochengeldes auf jeweils sechs Wochen vor und nach der Geburt eines Kindes können so finanziert werden.

Für die NS-Verbrechen wird die Medizin in schlimmster Weise instrumentalisiert. Bis 1945 werden rund 360.000 Sterilisationen an Menschen durchgeführt, die unter bestimmten Krankheiten wie "Schwachsinn", Schizophrenie, erblicher Blindheit u.a. leiden. Im Rahmen des sogenannten "Euthanasieprogramms" werden psychisch Kranke sowie verkrüppelte und unheilbar kranke Kinder getötet. Auch an der Ermordung von Millionen jüdischer Menschen wirken Ärzte mit.

Alle sozial- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen des NS-Staates stehen im Zeichen der Aufrüstung, vor allem die mit großem Propagandaaufwand verkündeten Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung. Im August 1934 müssen Jugendliche ihre Arbeitsplätze zu Gunsten erwerbsloser Familienväter aufgeben. Die Einführung des Wehrdienstes im Mai 1935 und des Arbeitsdienstes für Frauen und Männer zwischen 18 und 25 Jahren im Juni 1935 tragen zur Entlastung des Arbeitsmarktes bei. Die seit Februar 1935 obligatorischen Arbeitsbücher gewährleisten die Kontrolle und Bedarfslenkung der Arbeitnehmer. 1937 ist die Vollbeschäftigung erreicht. Den Arbeitskräftemangel nimmt die Regierung zum Anlass, am 1. Juli 1938 die Möglichkeit der Dienstverpflichtung einzuführen.

Im Zusammenhang der sogenannten „Rassenhygiene“ werden Juden und andere sogenannte "Minderwertige" wie Homosexuelle oder "Asoziale" aus der sozialen Sicherung ausgeschlossen, verfolgt und in Konzentrationslager eingewiesen. Der Terror gegen Andersdenkende gehört zum Alltag. Im November 1938 werden Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte geplündert, ihre Besitzer gequält, verhaftet und ermordet. Mit der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs beginnt die systematische Ausrottung der jüdischen Bevölkerung im besetzten Europa. Bis zum Ende der nationalsozialistischen Herrschaft werden über 6 Millionen Männer, Frauen und Kinder ermordet.

Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 beginnt der Zweite Weltkrieg, in dessen Verlauf weltweit mehr als 50 Millionen Menschen ihr Leben verlieren. Am 22. Juni 1941 startet Deutschland das Unternehmen "Barbarossa", um die Sowjetunion zu unterwerfen. Nach anfänglichen Erfolgen bringt die Schlacht um Stalingrad 1942/43 die Wende. Im Oktober 1944 erreicht die russische Rote Armee die deutsche Reichsgrenze. Zugleich verursacht der Bombenkrieg der Westalliierten erhebliche Verluste unter der Zivilbevölkerung. Die Wehrmacht kann den Offensiven der Westmächte und der Roten Armee nichts mehr entgegensetzen und kapituliert nach Hitlers Selbstmord am 8. Mai 1945.

Der Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur wird überwiegend von Sozialdemokraten, Kommunisten, einzelnen Kirchenvertretern und wenigen Militärangehörigen getragen. Bespitzelung und Verfolgung sowie die große Zustimmung für das Regime verhindern eine starke Widerstandsbewegung. Deutschland geht daher den von den Nationalsozialisten eingeschlagenen Weg bis zur endgültigen militärischen Niederlage und Kapitulation zu Ende. Viele Menschen bezahlen ihren Widerstand gegen das Regime mit dem Leben.

- Zum Abschnitt Nationalsozialismus im Audiorundgang durch die Dauerausstellung
- Fragebögen und Lösungsheft "In die Zukunft gedacht" bestellen
- Unterrichtseinheit mit Arbeitsblättern bei Lehrer-Online
- Machtübernahme und Gleichschaltung (Gebärdenfilm zur Ausstellung in Berlin)
- Nationalsozialistische Sozialpolitik (Gebärdenfilm zur Ausstellung in Berlin)
- Verführung und Gewalt (Gebärdenfilm zur Ausstellung in Berlin)
- Verfolgung, Tod und zweiter Weltkrieg (Gebärdenfilm zur Ausstellung in Berlin)
- Krieg und Massenmord (Gebärdenfilm zur Ausstellung in Berlin)
- Widerstand und Kapitulation (Gebärdenfilm zur Ausstellung in Berlin)
- Das Ende (Gebärdenfilm zur Ausstellung in Berlin)

Unterrichtsmaterialien

- Fragebogen 6, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg PDF, 1,37 MB

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Boykott jüdischer Geschäfte, 1933.
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Ausrückende Arbeitsdienstkolonne, 1936.
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Gefangene des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora bei der Montage der V2-Rakete, 1944. Gefangene des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora bei der Montage der V2-Rakete, 1944.
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